Europameisterschaften im Kraftdreikampf

Im tschechischen Pilsen fanden die diesjährigen Europameisterschaften im Kraftdreikampf statt. Gewohnt routiniert zog das tschechische Team diese Veranstaltung durch. Im Kongress Center fehlte es an nichts. Somit hatte die deutsche Mannschaft die besten Bedingungen für diese Titelkämpfe. 

Insgesamt vertraten elf Athletinnen und Athleten die deutschen Farben bei diesen Europameisterschaften. Tobias Persen musste kurzfristig verletzungsbedingt absagen. Geführt wurde das Team durch Bundestrainer und Delegationsleiter Dietmar Wolf. Dieser wurde von Sebastian Kaindl und Marc Polster tatkräftig unterstütz. Als Kampfrichter vertraten Werner Häfner und Rosina Polster das Team.

Den Start für das deutsche Team machte der Jugendliche Patrick Lösel in der Klasse bis 93 kg. Mit einigen kleinen technischen Korrekturen in der Vorbereitung und auch noch am Wettkampftag konnte er acht von neun Versuchen unter Dach und Fach bringen. In der Kniebeuge konnte er 272,5 und 277,5 kg in die Wertung bringen. 282,5 kg waren an diesem Tag zu viel des Guten. Dennoch gab es dafür die erste Goldmedaille. Das Bankdrücken begann recht zäh. Nach schweren 155 kg wurden 160 und 162,5 kg immer leichter und damit auch gültig. Für diese Leistung fuhr er die Silbermedaille ein. Im Kreuzheben gab es dann nochmal drei gültige Versuche und einen persönlichen Bestwert. 245, 252,5 und 257,5 kg gingen in die Wertung und bescherten ihm 697,5 kg, die im Kreuzheben den Medaillensatz voll machte und im Total den zweiten Platz brachte. Gewonnen hat der Russe Danila Kurakov der im Total die selbe Last bewältigte und im Kreuzheben alles zog, was nötig war um Patrick auf Abstand zu halten.

Nach einem Tag Pause ging dann Johanna Hübenthal an die Hantel in der Juniorenklasse bis 84 kg. Nach einer guten Vorbereitung ließen die Trainingslasten auf einiges hoffen, sofern der Kopf mitspielt. In der Kniebeuge spielte dieser optimal mit. 185, 192,5 und 200 kg gingen sauber in die Wertung und brachten ihr die erste Medaille ein, eine Bronzene. Nach einem guten Warmmachen im Bankdrücken wollten die zwei Zentner im ersten Versuch noch nicht gelingen. In der Wiederholung stellte die Last dann aber kein Problem dar und es wurden sogar noch zehn Kilo mehr in Runde drei, welche auf Grund des Körpergewichtsnachteils wieder Bronze wurde. In ihrer Schokoladendisziplin, dem Kreuzheben, gab es lockere 185 und 192,5 kg. Nur im letzten Versuch über 202,5 kg war die Technik dann schon wieder in München und somit war dieser Versuch ungültig. Damit gab es für 502,5 kg im Total die Bronzemedaille und Silber im Kreuzheben. Gold und Silber ging hier nach Norwegen. Stine Hamre und Linda Zahl Pedersen bewältigten 570 und 510 kg.

Mittwoch ging es dann mit den Frauen weiter. Anja Schreiner trat mit sehr leichten 44,46 kg in der Klasse bis 47 kg an. 127,5 und 135 kg stellten kein Problem dar und gingen gültig in die Wertung. 140 kg waren nur einen Hauch zu flach und waren 2:1 ungültig. Auf der Bank sollte es dann aber klappen. Mit 82,5 und 90 kg sicherte sie sich den Europameistertitel in dieser Klasse. Bei der letzten Steigerung auf 92,5 kg konnte sie dann die Schultern nicht mehr kontrollieren und die Hantel blieb regungslos auf der Brust liegen. Im Kreuzheben ging es nur noch darum, möglichst viel Gewicht mitzunehmen. 112,5 und 120 kg gingen gültig in die Wertung. 125 kg zog sie auch noch, aber leider streckte sie ihre Knie nicht ganz durch und so musste auch dieser Versuch ungültig gewertet werden. Mit 345 kg belegte sie den sechsten Platz in einem engen Starterfeld. Gold ging an die Russin Evgeniya Chistik mit 397,5 kg.

Der Donnerstag war dann vollgepackt. Am Morgen gingen Rosina Polster und Cathrin Silberzahn in den Klassen bis 63 kg und bis 72 kg an die Hantel. Beide Klassen starteten im direkten Wechsel so dass das Betreuerteam gut gefordert war.
In der Kniebeuge wollten bei Rosina nach guten 162,5 kg die geforderten 170 kg nicht gelingen. Trotzdem wurde auf 172,5 kg gesteigert und diese gingen auch gültig in die Wertung, leider lag diese Last 2,5 kg unter der Bronzelast dieser Klasse. Cathrin musste ebenfalls einen Versuch auf der Bühne lassen. 207,5 kg gingen schwer runter, aber stabil wieder hoch. Bei 215 kg waren die Kampfrichter nicht mit der geforderten Tiefe einverstanden und so musste in Runde drei wiederholt werden und dieses Mal ging die Last auch in die Wertung.
Auf der Bank drückte Rosina stabile 100 kg im ersten Versuch, die Steigerung auf 105 kg wollte zweimal nicht gelingen. Mehr Glück hatte Cathrin. Drei gültige Versuche über 135, 140 und 145 kg bescherten ihr überraschend Bronze im Einzel.
Im Kreuzheben wagte sich Rosina nach sicheren 145 und 152,5 kg an 167,5 kg, die für eine Medaille hätten reichen können. Hätte, wäre, wenn an diesem Tag waren sie zu schwer und die Tschechin Strolenka zog nach ihrem Loch in der Bank auch noch die geforderten 170 kg in die Wertung und holte sich verdient Bronze im Einzel. Mit 425 kg im Total belegte Rosina den fünften Rang und steigerte sich um zwei Positionen zum Vorjahr. Siegerin der Klasse wurde die Norwegerin Sk. Eline Joergensen mit 532,5 kg.
Für Cathrin ging es nach dem Loch der Norwegerin Markte Elverum in der Kniebeuge und im Bankdrücken plötzlich noch um Edelmetall im Total. Im Kreuzheben konnte sie 190 kg und 195 kg in die Wertung kämpfen. Die nötigen 202,5 kg für den Platz am Stockerl zog sie bis kurz vor den Lock out und hielt sie auch eisern fest, das letzte Ende wollte aber nicht mehr kommen und somit blieb es beim vierten Rang im Total mit 555 kg. Fürs Kreuzheben gab es aber noch einmal die Bronzemedaille. Den Klassensieg holte sich die Ukrainerin Antonina Marchenko mit runden 600 kg.

Am Abend war dann Max Lochschmidt in der Klasse bis 83 kg der Männer an der Reihe. Nach einer schweren Vorbereitung die von muskulären Problemen geprägt war, konnte er in Pilsen zu mindestens relativ schmerzfrei anreisen. Das Warmmachen der Kniebeuge begann sehr gut. Aauf der Bühne war der erste Versuch mit 315 kg sehr tief und auch von Erfolg gekrönt. Die Steigerung auf 322,5 kg war im ersten Anlauf dann aber zu flach und wurde entsprechend ungültig gegeben. In der Wiederholung verspürte Max dann einen Knall auf halber Höhe der Beuge im rechten Bein und somit war der Versuch hinüber. Nach einem kurzen Check ging es weiter, denn es sah nicht nach einem Muskelriss aus. Das Bankdrücken wurde für einige Athleten zum Wagnis. Max konnte hier gültige 215 und 220 kg verbuchen. Dagegen konnten die Gegner aus Rumänien, Estland und der Mitfavorit aus der Ukraine keinen Versuch in die Wertung bringen. Damit war der Griff nach Bronze im Total plötzlich präsent. Da der Rücken und das Bein vom Beugen ziemlich mitgenommen waren, stieg er mit sicheren 275 kg ein. Mit den 295 kg aus dem zweiten Versuch setzte er sich vor den Norweger Kim Raino Roelvaag der den zweiten Versuch aussetzte und im dritten Versuchen alles versuchte, aber an 277,5 kg scheiterte. Somit gingen wir auf 305 kg, um auch noch Bronze im Einzelkreuzheben zu sichern. Auch diese Last zog Max noch gültig zur Hochstrecke und kam damit auf ein Total von 840 kg und konnte damit auf dem Treppchen Platz nehmen. Auch wenn die Leistung unter seinen Möglichkeiten lag, kann er mit der Platzierung sehr zufrieden sein. Wie wurde so treffend im Team festgestellt „manchmal muss man mitnehmen was man bekommt“. Europameister in dieser Klasse wurde der Russe Evgenii Vasiukov mit 902,5 kg.

Am Freitag gingen Philipp Schweda und Martin Lange an die Hantel.
Im Limit bis 93 kg hatte es Philipp mit seiner Meldelast doch noch in die A-Gruppe geschafft. Das Warmmachen zur Kniebeuge verlief sehr gut, so dass mit 330 kg begonnen wurde und diese Last ging auch gültig in die Wertung. Mit 340 kg konnte er aber nicht mehr die Balance halten und so gingen beide Versuche damit nicht mehr ins Total ein. Auf der Bank startete er mit gültigen 242,5 kg. Bei 247,5 kg wollte er in eine falsche Ablageposition und der Versuch war ungültig. Im dritten Versuch drückte er die Last dann reibungslos. Das Kreuzheben und Philipp sind noch immer keine Freunde geworden. 260 und 270 kg gingen mit Luft in die Wertung. An 280 kg biss er sich aber wieder die Zähne aus. Damit kam er auf ein Total von 847,5 kg und belegte damit Platz sieben. Sieger der Klasse wurde erwartungsgemäß der Ukrainer Volodymyr Rysiyev mit 985 kg.

Für Martin ging es am Abend eigentlich nur darum, ordentliche Versuche nach seinem starken Gewichtsverlust auf die Bühne zu bringen. An eine gute Platzierung war nicht zu denken. Doch dann kam es wie es kam „to finish first, you have to finish first“. Nach dem Kampf mit der Waage begann das Kniebeugen mit guten 335 kg. 340 kg gelangen dann aber erst in der Wiederholung. Nach dieser Disziplin waren bereits zwei Athleten nicht mehr in der Totalwertung. Auf der Bank konnte er trotz des recht großen Hemdes drei gültige Versuche über 240, 245 und 250 kg verbuchen. Nach dem Bankdrücken fehlte wieder ein Athlet mehr im Feld. Das Kreuzheben wurde dann mit drei blitzsauberen Versuchen über 300, 310 und schließlich 315 kg abgeschlossen. Und zum Staunen der Beteiligten schaffte es hier der Finne Tomi Maatta sich ebenfalls ins Aus zu schießen. Damit rutschte Martin mit 905 kg auf den vierten Rang. Mit starken 1025 kg und einer grandiosen Aufholjagd wurde der Russe Sergey Mashintcov Europameister.

Am Samstag ging das Schwer- und Superschwergewicht ans Eisen. In der Klasse bis 120 kg gingen Dominik Pahl und Christoph Seefeld an die Hantel. Im Superschwergewicht vertrat Tobias Zinserling die deutschen Farben.
Für Dominik und Christoph begann die Beuge alles andere als vielversprechend. Dominik bekam lediglich seinen zweiten Versuch über 380 kg in die Wertung. Christoph musste sich mit seinem Startversuch über 345 kg zufriedengeben. Christoph hatte bei seinen Folgeversuchen wie viele andere Athleten mit argen Stabilitätsproblemen zu kämpfen. Nach einer Woche Höchstbelastung hatte die Heberbohle ihr zeitliches gesegnet.
Tobias konnte in der Wechselgruppe dagegen drei mustergültige Versuche über 355, 370 und 380 kg verbuchen. Pech hatten hier Steve Ringoot aus Belgien und Julian J.K Johannsson aus Island die keinen Versuch durchbrachten.
Im Bankdrücken lief es dann gar nicht für Dominik. Nur einmal konnte er die Last von 285 kg bewältigen aber diesen Versuch gaben die Kampfrichter nicht gültig. Christoph konnte hier 265 und 280 kg in die Wertung bringen.
So gut wie es für Tobias in der Beuge lief, soviel Federn musste er auf der Bank lassen. Nur der Erstversuch über 260 kg ging in die Wertung. Hier machte sich das „magere“ Körpergewicht von 150 kg bemerkbar. Im Training bewältigte er hier mehrfach 10 und 20 kg mehr.
Im Kreuzheben bekam Dominik dann noch zwei gute Versuche über 300 und 315 kg in die Wertung. Christoph waren die Strapazen der vorangegangenen Wochen anzusehen und auch der Körper zeigte seine Grenzen auf. Es gingen noch 285 und 300 kg ins Total ein. Mit 925 kg bei seiner ersten Europameisterschaft belegte er einen guten sechsten Rang. Mit einem Total von 1055 kg setzte sich der Britte Tony Cliff durch.
Für Tobias ging es im Kreuzheben abermals um die Medaille. Mit gültigen 335 und 350 kg sicherte er sich Bronze und griff mit 357,5 kg auch noch nach Silber, aber der Eisenberg blieb dieses Mal liegen. Endlich wieder 400 kg im Superschwergewicht konnte hier Julian J.K. Johannsson bewältigen und dafür Einzelgold kassieren. Tobias kam hier mit 990 kg auf den vierten Rang. Superschwergewichtsmeister nach dem verpasten WM-Gold wurde der Ukrainer Volodymyr Svistunov mit 1137,5 kg.

Fazit

Das war sie nun die erste Europameisterschaft der Jugend, Junioren und Aktiven unter neuer sportlicher Führung von Dietmar Wolf. 14 Medaillen und einige gute Platzierungen konnte mit einem überschaubaren Kader eingefahren werden. Nun gilt es sich an die Arbeit zu machen und den Kader in allen Alters- und Gewichtsklassen mit Namen zu füllen und Deutschland sportlich auf hohes und breites Niveau zu bringen.

 

Marc Polster

 

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de