EM Bankdrücken 2013 in Senec / Slowakei

Die Europameisterschaften der Aktiven fanden in diesem Jahr mal wieder in der Slowakei statt, eigentlich in Bratislava, dann aber im Naherholungsgebiet der Metropole in Senec. Mit wenig guten Vorahnungen ging es ins mit 42 Grad wohltemperierte Badeörtchen, wo zu meiner völligen Überraschung im Veranstalter-Hotel sogar Klimaanlage bereit stand und funktionierte. Die Preise waren angemessen und so macht die Unterbringung im Veranstalterhotel durchaus Sinn.

Das Team bestand aus einigen alten Hasen und ein paar neuen Gesichtern. Bankdrückreferent Markus Schick hatte eine Mannschaft zusammengestellt, bei der insbesondere die Aussicht auf Medaillen bzw. Platzierung entscheidend war, dazu hatte er vorher die relevanten Wettkämpfe benannt und war deutlich über die DM der Aktive hinausgegangen. Die Medaillenbilanz des Wettkampfs gibt ihm durchaus Recht. Als Offizieller war der Niederbayer Josef Weiss an Bord, der sich unaufgeregt mit seiner freundlichen und verbindlichen Art ins Team einfügte.

Der erste Tag zeigte bereits alle Facetten des Einzelbankdrückens. Helena Schlosser von der Union Groß Ilsede begann den Wettkampf mit 92,5 kg, die als Sicherheitsversuch gedacht waren und ihrem Leistungsvermögen nach auch waren. Sie versemmelte die ersten beiden Versuche und konnte erst im dritten Anlauf ihre Startlast durchbringen. Zornestränen in den Augen sah sie fünf Minuten später, dass das aber schon gut für Bronze war und nahm die Glückwünsche einigermaßen verblüfft entgegen. Gunda Fiona Sommer von Bachhaus war mit der Reisegruppe Hessen angetreten um zu gewinnen und tat dies souverän. Auch 20 kg unter Bestleistung kam niemand aus Europa an sie heran. Eine Lichtgestalt des deutschen Kraftsports hob mal kurz den Finger. Vielleicht hat ihn ja jemand gesehen.

Am nächsten Tag startete die letzte deutsche Dame, Vivien Röder aus Sachsen. In einem bärenstarken Wettkampf mit präzisen und strategisch gut gewählten Steigerungen holte sie sich mit 130 kg Bronze und eine neue Bestleistung. Am deutschen Rekord von 135 kg scheiterte sie noch, aber das wird nur eine Frage der Zeit sein.

Damit endeten die Wettkämpfe der Damen überaus erfolgreich. Bei den Herren sollte es dagegen ganz anders weitergehen. Noch bei großer Hitze platzten sowohl Markus Schick und Sven Stecklina. Die Einzelheiten sind, wie stets bei einem Loch komplex und vielschichtig. Die Kampfrichter hätten wohlwollender sein können, die Herausgeber etwas kräftiger, die Bank etwas weniger wackelig... wie es auch sei, am Ende steht die Null. Beide hatten vernünftige Einstiegsgewichte gewählt und einen schlechten Tag erwischt. Doch mit sicheren Versuchen allein kommt man im internationalen Bankdrücken auch nicht mehr weit.

Dies dachte sich auch Jens Christalle, der in der Klasse bis 120 kg mal entspannt mit 300 kg (DR) einstieg. Auch er haderte mit den Herausgebern und scheiterte letztlich dreimal am Gewicht, das für Gold gereicht hätte. Aus meiner Sicht alles richtig gemacht, der erste Versuch war nicht so utopisch und man wartete erst einmal auf die Kampfrichterwertung. Am Ende ärgerlich, aber nur so gewinnt man etwas. Lediglich das Körpergewicht war für die 120er etwas frech eingestellt, doch mit einem gültigen Versuch wäre das alles egal gewesen. Der zweite Heber in dieser Klasse, Achim Kircher, brachte dann den ersten Versuch der Männer in die Wertung und landete mit 250 kg verdient auf dem letzten Platz. Damit ist letztlich ja auch nichts gewonnen.

Nach einem gemütlichen Gewitterabend zogen die beiden Harzer Roller am nächsten Tag in die Schlacht und zeigten bei den Dicken Buben mal ganz vornehm, wo der Frosch die Locken hat. Kevin Koch sicherte sich mit starken und sicheren 340 kg Silber und zwei deutsche Rekorde. Eine solche Leistung spricht für sich, Schade nur, dass dies kaum Resonanz in der deutschen Kraftsportöffentlichkeit fand. Auch Wulff Kronemann konnte mit 315 kg den "Klingeldraht biegen" und eine neue Bestleistung in die Rekordlisten schreiben. Beides sind Leistungen, die auch internationale Beachtung fanden, insbesondere da Kevin doch eher ein entspanntes Hemd ins Rennen warf.

Damit war der Auftritt der Mannschaft mehr als gerettet, Silber im Superschwergewicht ist ein überragendes Highlight.

Was bleibt nach der EM? Betrachtet man sich die internationale Konkurrenz und deren Wettkämpfe bleibt lediglich festzuhalten, dass Deutschland den Anschluss ans internationale Bankdrücken verpasst hat. Die Silbermedaille von Kevin täuscht darüber nicht hinweg. Kevin ist ein Büffel und an diesem Tag hat alles gepasst. Der Rest der deutschen Bankdrückwelt hinkt hinterher. Mit Gunda und Markus hat man zwei weitere Eisen im Arnolds-Feuer, aber das wird nicht reichen um in Zukunft wieder an die Stärke vergangener Tage heranzureichen.

Solange man national belächelt wird, weil man grenzwertige Versuche anbietet, Hemden in extremo anzieht und Hebel und Position ausreizt, Technik optimiert und hochriskant an Rekordlasten geht, wird sich das nicht ändern. Bankdrücken ist kein Skispringen, hier gibt es keine Haltungsnoten. Es gibt keine zwei Arten von gültig und Turnvater Jahn ist schon lange tot.

Allein das Aufwärmen bei einer DM und einer EM bietet zwei völlig verschiedene Bilder... kaum jemand macht überhaupt noch Versuche ohne Hemd, Boards und Tüten dominieren das Bild. Aufholen im Bereich Technik, Training und Equipment wäre angesagt, insbesondere auch beim Nachwuchs. Dies ist auch eine der Aufgaben eines Sportverbands.

Für das Teamgefüge wäre eine frühere Koordination von Anreise und Hotel hilfreich. Gerade an den Abenden sollten hier bereits im Vorfeld Termine vereinbart werden. Aus meiner Sicht ist dies nicht Aufgabe des Referenten, sondern der Sportler selbst. In den "guten alten" Zeiten wurde hier vor der Fahrt schon mal telefoniert und abgesprochen, wer wann wo ist. Da aus finanziellen Gründen kaum noch jemand die ganze Zeit anwesend sein kann, lässt sich so einiges vorher koordinieren. Auch die laufende Berichterstattung per Facebook kann durchaus von den Hebern übernommen werden, es sind ja mittlerweile alle maximobil.

 

Achim Kircher

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de