Alexandra Breitenberger und Lukas Schrafstetter gewinnen erneut die Bavariade

 Mit großem Einsatz ging ein zum Vorjahr kleineres, aber mit sechs aufgestellten Rekorden hocheffizientes Bewerberfeld auf dem Freigelände des Stemmclubs bei der 15. Austragung der Bavariade zu Werke. Am Ende hatten bei dem 1993 ins Leben gerufenen urigen Wettbewerb mit den Disziplinen Baumstammstemmen, Schubkarrenfahren, Schlittenziehen, Hangeln am Seil, Klimmzüge und Liegestütz wieder die Titelverteidiger Alexandra Breitenberger (München) und Lukas Schrafstetter (Neuaubing) die Nase vorn.

Das im letzten Jahr bei der erstmals zur Austragung gekommenen Damenwertung tonangebende Trio Alexandra Breitenberger, Julia Gartzke (beide München) und Sabrina Koenen (Neuaubing) dominierte auch dieses Mal wieder den Wettbewerb und in der Männerentscheidung lieferten sich der Titelverteidiger Lukas Schrafstetter (Neuaubing) und der Gesamtsieger von 2014 Lukasz Rydzynski (Bavaria Landshut) ein packendes Duell. Allerdings war bis zur letzten Minute unklar, ob der Landshuter auch wirklich antreten konnte. Erst Tage zuvor hatte er sich eine großflächige Hautabschürfung am Bein zugezogen, die einen Krankenhausaufenthalt bedingte.

Los ging es mit den Damen und dem Baustammstemmen. Der mit zwei Griffen versehene Baumstamm (aus Metall) musste dabei innerhalb einer Minute so oft als möglich vom Boden bis über den Kopf gehoben werden. Mit einem furiosen Auftakt wuchtete die nur 48,5 kg schwere Münchnerin Alex Breitenberger den 35 kg schweren Klotz 16-mal nach oben und blieb nur eine Wiederholung unter ihrer im Vorjahr aufgestellten Rekordmarke. Damit holte sie die erste Einzelwertung vor Julia Gartzke (14) und Sabrina Koenen (9).

 

Der bei den Männern mit 50 kg beschwerte Baumstamm wurde mindestens 12-mal gestemmt, drei schafften mehr als 20 Wiederholungen: Daniel Benker aus Puchheim (21), Lukas Schrafstetter aus Neuaubing (24) und der Landshuter Lukasz Rydzynski, der mit 28 Ausführungen eine neue Rekordmarke herbeizauberte. Die alte hielt Alexander Mut aus Koblenz mit 25 Hebungen.

 

Es folgte die Disziplin „Schubkarrenfahren“. Ein mit 75 kg (Frauen) bzw. 150 kg (Männer) schwerer Last beladener Schubkarren musste so schnell als möglich auf einer 60 m langen Strecke (Parcours) geschoben werden.

 

Nahezu gleich schnell balancierten Gartzke und Koenen das Eisengestell durch die Pylonen. Mit 28,37 und 28,63 Sekunden unterboten beide die 2017 aufgestellte Rekordmarke von Julia Gartzke (29,7), die ihren zweiten Einzelsieg feierte.

 

Lombardo Noah (ESV Neuaubing), Faisal Yassin (Kraftsport Colonia) und Robert Maier (AC Goliath Mengede) handelten sich durch eine ungestüme Fahrweise Zeitstrafen ein und vergaben damit bessere Platzierungen, da sie die den Weg kennzeichnenden Pylonen berührten. Unter einer halben Minute blieben nur Harald Spitzer (Adlkofen/28,41), Lukasz Rydzynski (27,09) und Lukas Schrafstetter (26,75), der sich mit einer akrobatischen Sturzeinlage ins Ziel rettete und diese Disziplin für sich entschied.

 

Beim Schlittenziehen wurde das Gefährt für Frauen mit 50 kg, für Männer mit 100 kg beladen und musste aus dem Stand auf einer nicht geteerten Strecke mit einem Seil auf der 30 m langen Strecke gezogen werden. Diese knifflige Herausforderung stellte vor allem die leichtesten Bewerber auf eine harte Belastungsprobe, zumal die Reibung der Kufen die ganze Strecke entlang erhalten blieb. Dennoch steigerte sich Julia Gartzke als Schnellste mit 11,28 Sekunden auf eine neue Rekordmarke und löschte die von Sabrina Koenen gehaltene Notierung (12,1). Diese musste sich dieses Mal mit Rang zwei zufrieden geben (14,0). Titelverteidiger Lukas Schrafstetter aus Neuaubing triumphierte mit 11,66 Sekunden auch in dieser Disziplin vor dem Landshuter Rydzynski (12,56). Auf den Bronzerang „zog“ sich Robert Neagu aus Neuaubing (14,97).

 

Zur Halbzeit führte Julia Gartzke klar vor den punktgleichen Konkurrentinnen Breitenberger und Koenen. Beim „starken“ Geschlecht lag Schrafstetter (29) knapp vor Rydzynski (28) und Neagu (20).

Die vierte Disziplin, das Seilhangeln, erforderte turnerische Qualitäten: Auf einem zwischen zwei Bäumen gespannten Stahlseil hangelten sich die Teilnehmer nur mit den Händen über die 8,5 m lange Strecke. Vorjahressiegerin Alex Breitenberger startete hier ihre Aufholjagd für die Gesamtwertung und legte die Strecke in Rekordzeit (7,41 Sekunden) zurück. Letztes Jahr hatte sie dafür noch 8,6 Sekunden benötigt.

 

Schnelle Zeiten lieferten auch die Männer, wenn auch der Rekord nicht angegriffen werden konnte. Schrafstetter holte hier seinen dritten Einzelerfolg mit 6,28 Sekunden vor dem Freimanner Jing Yi Wang (6,53) und Lukas Rydzynski (7,16). Rekordhalter Lombardo Noah (7,47) musste sich mit dem sechsten Platz zufrieden geben.

 

Die einzige Übung, in der das Zeitkontingent von einer Minute kaum voll ausgenutzt wird, ist der vorletzte Kraftakt: Klimmzüge. Mit 17 Bilderbuchversuchen unterstrich Alex Breitenberger ihre Klasse – und hier blieb sie mit einer Ausführung nur knapp unter der eigenen Bavariade-Rekordmarke. Ihr folgten Gartzke (11) und Koenen (5).

 

Eine Verschärfung der Regeln hinderte Schraftstetter an der Wiederholung des Vorjahressieges und platzierte ihn mit 20 Ausführungen an vierter Stelle. An die Spitze setzte sich mit Jing Yi Wang (26) der Leichteste des Teilnehmerfeldes vor dem Landshuter Fitness-Neulings Markus Kirchner (24) und Neagu (22).

 

Nach den kräfteraubenden Vorübungen forderte die Liegestützen die letzten Reserven der Teilnehmer. Erstaunlich dabei, dass sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern die Bavariade-Rekorde verbessert werden konnten.

 

Alex Breitenberger steigerte ihre eigene Marke auf 31 Wiederholungen und nicht zu bremsen war Rydzynski, der innerhalb einer Minute 72-mal den Hupton erklingen ließ.

 

Damit überbot er den seit 2014 bestehenden Rekord um 10 Wiederholungen. Mit jeweils 49 Ausführungen landeten Lombardo Noah und Robert Neagu auf den weiteren Rängen.

 

In der Gesamtwertung hatte sich Alex Breitenberger mit ihrem beherzten Einsatz in der zweiten Wettkampfhälfte an die Spitze geschoben und ihren zweiten Gesamtsieg eingeheimst. Mit 77,7 Prozent der Maximalpunktzahl und vier Einzelsiegen verwies sie mit nur einem Punkt Vorsprung Julia Gartzke auf Rang zwei. Bronze ging an Sabrina Koenen.

 

Klarer als erwartet verteidigte Lukas Schrafstetter mit 53 Wertungspunkten seinen Vorjahressieg. Der durch den Krankenhausaufenthalt und durch die Verletzung doch etwas aus dem Konzept geratene Lukasz Rydzynski zeigte eine willensstarke Leistung und platzierte sich mit 49 Punkten auf Rang zwei. Für den Drittplatzierten Robert Neagu wurden 41 Zähler notiert.

 

 Dr. Karl Greiner

Bundesverband Deutscher Kraftdreikämpfer e.V.
www.bvdk.de